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Die Erneuerbaren Energien Haben Auf Dem Darß Tradition

Die Erneuerbaren Energien haben auf dem Darß Tradition

In Zeiten, in denen wir bei fossilen Energieträgern an unsere Grenzen stoßen, das Thema „Erderwärmung“ immer prekärer wird und wir am aktiven Umweltschutz interessiert sind, kommt auch der Darß an den erneuerbaren Energien nicht vorbei. Doch halt – das klingt schon fast so, als wäre der Darß bei diesem Thema Schlusslicht. Dabei ist das keineswegs der Fall, denn auf dem Darß, genauer in Wustrow, wurde das erste industriemäßig gefertigte Windrad aufgestellt. Und zwar nicht erst nach der Wende. Bereits seit DDR-Zeiten dreht sich das Windrad und es liefert noch heute Strom.

Darßer Windrad liefert seit fast 30 Jahren Strom

Nichts liegt näher, als an der Küste Windkraft zu nutzen. Am 10. Oktober 1989 ging deshalb auf dem Darß das erste Windrad in Betrieb. In Wustrow, am Zugang zur Halbinsel Fischland-Darß-Zingst, schrieben zwei Männer Energiegeschichte. Otto Jörn tüftelte schon lange an alternativen Stromquellen. Studien über die effektive Nutzung von Windkraft entstanden in der Rostocker Windkraft-Experimentieranlage. Klaus-Jürgen Beel sucht als Chef eines Holzhandels nach Möglichkeiten, eine Trocknungsanlage optimal zu betreiben. Beide Männer begegnen sich und legen den Grundstein für den Darßer Ostsee-Windstrom.

Keine Ostsee ohne Wind

Beel wurde durch einen Fernsehbeitrag über Windkrafträder in Dänemark aufmerksam. Und an Wind mangelt es nun an der Ostsee wirklich nicht. Die erste Anlage wurde in Dänemark für 440.000 D-Mark gekauft. Der Devisenkredit sollte mit dem Export von getrockneten Spundbrettern getilgt werden. Die DDR-Oberhäupter stimmten zu und die Anlage ging in Betrieb.

Noch heute steht das Windkraftrad und erfüllt seinen Zweck. Fast alles ist noch im Original. In den Jahren mussten nur wenige Reparaturen ausgeführt werden. In einer Höhe von 30 Metern dreht sich das Windrad mit einem Rotordurchmesser von 25 Metern. Die zu dieser Zeit leistungsstärkste Anlage verfügte über eine Leistung von 200 kW. Das ist nicht mit heutigen Windkraftanlagen zu vergleichen, aber es war immerhin ein Schritt in die richtige Richtung.

Baltic 1 – der erste Offshore-Windpark an der Ostsee

Und wieder war es der Darß, der eine Vorreiterrolle einnahm, als es um erneuerbare Energien geht. Im Jahre 2011 wurde Baltic 1 eingeweiht, der erste deutsche kommerzielle Offshore-Windpark. Der Windpark liegt 16 Kilometer vor der Küste der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Hier liefern 21 Windenergieanlagen und eine Umspannplattform Energie. Die Gesamtleistung der Anlagen beträgt 48,3 MegaWatt. Der Windpark soll einen jährlichen Energieertrag von 185 Gigawattstunden bringen. Damit könnten 50.000 Haushalte mit Energie versorgt werden. Bereits ein Jahr nach der Inbetriebnahme wurde mitgeteilt, dass der Stromertrag sogar noch 20 Prozent höher liegt.

Ein Windrad kommt selten allein

Nun sollen neue Windparks vor den Toren der Ostsee-Halbinsel Fischland-Darß-Zingst entstehen. Sehr zum Leidwesen der Gemeinden Wustrow, Ahrenshoop, Born, Zingst und Prerow, die mit dem Bau der Windparks 15 Kilometer vor der Ostseeküste nicht einverstanden sind. Das ist verständlich, leben die Gemeinden doch vom Tourismus. Auf das Lichtermeer der befeuerten Anlagen können Bewohner und Touristen verzichten. Vor allem wegen der Nähe der Windparks zu den Wanderrouten der Schweinswale haben Umweltschützer Bedenken. Aber auch immer mehr Besucher des Darß stören sich an Windrädern, denn die wollen hier eine unberührte Natur erleben. Außerdem würde sich der Windpark in der Nähe von Fahrtrinnen befinden, die von großen Schiffen befahren werden. Wenn es nach den Energieunternehmen geht, würde 15 Kilometer vor der Küste ein Windpark mit über 100 Windrädern entstehen, von denen jedes etwa 175 Meter hoch ist. Der Blick auf die Ostsee würde zum Blick auf hunderte Windräder werden.

Erneuerbare Energie sind ohne Frage ein unbedingtes Muss – aber bitte doch im Einklang mit der Natur.

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