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Dächer Auf Dem Darß – Darsser Baukultur Aufs Dach Gestiegen

Dächer auf dem Darß – Darsser Baukultur aufs Dach gestiegen

Jede Region hat so seine eigenen Bauweisen, die sich im Laufe der Jahrhunderte herausgebildet haben. Das ist auch auf dem Darß nicht anders. Vor allem die Dachformen sind speziell. Die typische Dachform auf dem Darß ist das reetgedeckte Walmdach. Aber die Dächer haben noch viel mehr zu bieten. Bei einem Ostseeurlaub sollten Sie mal einen Blick auf die interessante Baukultur des Darß werfen. Dabei werden Sie sicher viel Neues entdecken.

Dacheindeckung aus der Region

Typisch für die Ostsee-Halbinsel sind die Fischerhäuser und Kapitänshäuser, die mit Reet eingedeckt sind. Reet – so wird das Schilfrohr hier bezeichnet. Ringsherum um den Boden wächst der natürliche Baustoff. Und so lang es nah, die Häuser mit dem Rohr einzudecken. Reet ist eines der ersten Bedachungsmaterialien, das Menschen, die sesshaft geworden waren, verwendet haben. Die ersten Reetdächer gab es schon 4.000 v. Chr..

Bevor das Reet aufs Dach kommt, wird es getrocknet. Die geschnürten Bündel Reet werden auf den Dachlatten verteilt und dann so lange verschoben, bis die unteren Halme eine einheitliche Fläche ergeben. Dabei zeigen die Wurzelende immer zum Boden. Im Schnitt hält ein Reetdach 30 bis 50 Jahre. Es gibt aber Dächer, die schon weit über 100 Jahre alt sind. Reetdächer bergen aber auch eine sehr hohe Brandgefahr. Besonders im Hochsommer ist das Reet durch die direkte Sonneneinstrahlung gefährdet. Innerhalb kurzer Zeit brennt meist die gesamte Dachfläche.

Giebelzeichen sollen Glück bringen

An fast jedem reetgedecktem Haus sind am Giebel auch Giebelzeichen zu entdecken. Giebelzeichen gibt es in vielen Regionen und in verschiedenen Motiven. In Niedersachsen sind es die Pferdeköpfe, die hier zu finden sind. Im Ostseeraum finden sich vor allem maritime Zeichen. Der Darß bietet eine besonders große Vielfalt. Über 50 Motive hat das Darß-Museum dokumentiert. Diese reichen von Blumen über Tiere bis hin zu geometrischen Formen.

Heidnische Bräuche einer längst vergangenen Zeit

Die Giebelzeichen an den Dächern der Darß-Häuser gehen auf Bräuche aus heidnischer Zeit zurück. Die Zeichen sollten Häuser und Bewohner vor dem Bösen beschützen. Einst waren es noch echte Pferdeschädel, die am Giebel angebracht wurden. Sie sollten vor Feuer, Blitzschlag, Seuchen und Krankheiten sowohl Mensch als auch Tier beschützen. Später wurde statt der echten Schädel geschnitzte Zeichen am Giebel angebracht. Und auch heute noch wird der Brauch gepflegt. Die Tradition der Giebelzeichen wird weiter hochgehalten und damit eine typische Darß-Bauweise geehrt. Die Giebelzeichen prägen das Bild der Darß-Ortschaften. Schauen Sie sich um, Sie werden viele der Zeichen entdecken. Und mal ehrlich, ob die Giebelzeichen nicht doch Glück bringen, ist schließlich nicht ausgeschlossen.

Ein Motiv ist nicht wie das andere

Die Vielfalt an Giebelzeichen ist auf dem Darß einmalig. Im Großen und Ganzen lassen sich die Giebelzeichen in vier Gruppen einteilen:

  • florale Motive
  • animale Motive
  • geometrische Motive
  • thematische Motive

Zu den floralen Motiven gehören vor allem Blumen. Aber auch Lebensbäume werden dargestellt. Sie sind das Symbol fürs Leben. Blumen in Verbindung mit einem Herz stehen – wie könnte es anders sein – für die immerwährende Liebe.

Die häufigste animale Darstellung ist der Pferdekopf. Auf dem Darß sind sie eher in der Minderzahl. Es ist zu vermuten, dass der Pferdekopf als Giebelzeichen aus Niedersachsen „eingeschleppt“ wurde. Vögel und Fische, die an manchen Häusern zu sehen sind, sind vermutlich aus jüngerer Zeit.

Bei den thematischen Giebelzeichen finden Sie das Steuerrad, die Eule, den Hobel oder die Lyra. Diese Zeichen verraten den Beruf des Hausherren.

Und schließlich gibt es noch die geometrischen Zeichen wie das Herz, die Raute, der Sechsstern oder das Kreuz.

Wenn Sie in Ihrem Ostseeurlaub durch Wieck, Born, Prerow oder einem der anderen Orte schlendern, schauen Sie genau auf die Dächer. Sie werden viele Giebelzeichen entdecken und vielleicht Rückschlüsse auf die ehemaligen Bewohner des Hauses ziehen können.

Bildquelle: Bild von wasi1370 auf Pixabay

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